Ist Glaube bzw. die Bibel und Psychotherapie denn nicht ein Widerspruch in sich? Ja und Nein.

Die geistige Ebene am Beispiel der Bibel

Was bedeutet „geistige Ebene“? Nicht leicht zu erklären, wenn man keinen abstrakten Philosophie-Exkurs anstrebt, sondern aus dem normalen Alltag heraus einen Zugang finden möchte. Lebensnah und pragmatisch. Denn das Geistige in unserem Leben ist nicht Theorie, sondern im Alltag erlebbare Praxis. Und darum geht es ja schließlich, denn wir alle sind Wesen mit Zugang zum geistigen Anteil unseres Lebens, neben dem Körper und den Prägungen unseres Gehirns (Psyche). Man könnte sagen, es ist die Hinterfragung gesellschaftlicher Erwartungen und Werte, die Orientierung an etwas, das sich richtiger anfühlt, die Einordnung der Ereignisse in einen größeren Zusammenhang, die Erweiterung des Blickwinkels mit dem Faktor Zeit (also Weitblick), vermutlich die Besinnung auf zentrale Werte der Menschlichkeit – des Menschseins und die Gewinnung einer guten Haltung als Mensch in dieser Welt.

Wer einen guten Bibellehrer hat, die reine Bibel (nicht deren menschliche / kirchliche Interpretationen) also wirklich kennt und sein Denken, Fühlen und Handeln im Alltag, in kleinen und großen Angelegenheiten, danach ausrichtet, dürfte für alle Tiefen des Lebens gewappnet sein. Dieser Mensch braucht keine Psychotherape mehr! Sie ist pragmatische Lebenshilfe in allen kleinen und großen Nöten. Sie liefert einen Rahmen, insgesamt eine geistige Haltung, also eine Lebensphilosophie ebenso wie ganz praktische Handlungsempfehlungen für ganz alltägliche Situationen, in denen wir sonst nicht genau wissen, wie wir uns verhalten oder entscheiden sollten. Was die Wenigsten wissen: Bibel und Institution Kirche sind 2 verschiedene Paar Schuhe. Ausserdem: Vieles von dem, was wir bislang darüber hören konnten, ist aus dem Zusammenhang genommen, nicht verständlich genug erklärt und zuweilen natürlich auch von Menschen für deren Zwecke interpretiert. Nein, sie ist kein deprimierendes Regelwerk an Verboten und Entmutigungen, wie ich lange Zeit annahm, sondern ein ehrlicher Ratgeber, der Kraft, Zuversicht und Freude spendet, jeden Tag aufs Neue. So jedenfalls emfpinde ich die Einblicke, die ich bislang erhielt.

Wie alles im Leben ist die Gewinnung neuer Einsichten nicht ohne Schmerz möglich. Denn alte Muster sind hartnäckig, sie zu verändern ist an manchen Stellen ein Kampf gegen sich selbst, gegen die eigene (antrainierte), alte „Natur“. Der Weg kann gesprägt sein von Rückfällen, Wut auf sich selbst, Verzweiflung, Aufgeben wollen. Doch auch das wird in der Bibel erklärt und aufgefangen.

Nachfolgend will ich versuchen, zumindest in Ansätzen, meinen persönlichen Zugang dazu zu beschreiben.

Meine Neugierde wurde vor allem in verschiedenen persönlichen Lebenskrisen, auf der Suche nach Problemlösungen und Antworten, geweckt und über Jahre hinweg durch Begegnungen mit interessanten Klienten und Patienten immer wieder aufgefrischt. Einen richtigen Zugang jedoch hatte ich dennoch lange nicht, ich wußte nicht, wie ich mich inhaltlich annähern sollte, was wirklich alles drin steht, wie sehr es mir im Alltag helfen würde und wenn ich dann doch eine Seite aufschlug, verstand ich meist nichts. Dann begegnete ich einem guten Bibellehrer.

Bisher: nach dem Problem ist vor dem Problem. Natürlich kenne ich einige wunderbare psychologische „Techniken“, mit Gefühlen gesund umzugehen und weiss um körperliche Strategien, Stress und Adrenalin abzubauen. Das funktioniert, zumindest punktuell, aber dennoch, etwas entscheidendes fehlte mir langfristig dabei. Man löst seine Probleme irgendwie, doch nach dem Problem ist vor dem Problem. Es geht immer weiter, die nächste Hürde kommt ganz bestimmt. Man powert aus und ist irgendwann erschöpft. Warum ist/war das so?

Ich würde sagen, es fehlt der Blick auf das „Ganze“ um das gerade auftretende Problem herum. Das Problem für sich genommen ist ein punktuelles Ereignis. Ein Problem sachlich auszuräumen, hilft also nur punktuell. Doch es ändert nichts an der eigenen Haltung, dem eigenen Denken, und das nächste Problem kommt ganz sicher recht bald und das Rad dreht sich wieder von vorne. Was es also braucht ist mehr als eine punktuelle Lösung.

Die Frage war nun nicht mehr, „wie löse ich das Problem x“, sondern: „was kann ich tun, um einem Problem so zu begegnen, dass ich in innerem Frieden mit mir und der Welt damit leben kann“? Was ist denn im Grunde der Wunsch eines jeden Menschen? Was macht denn Menschen letztlich zufrieden? Ich denke die Antwort ist, innerlich seinen Frieden zu finden und friedlich miteinander zu leben, ganz gleich, wie widrig die Lebensumstände sind, also vor allem auch in Lebenssituationen, die schwierig sind. Wie stellt man das an?

Bis dahin hatte ich verschiedene Ratschläge für Problemlösungen ausprobiert, Fachbücher studiert, Menschen um ihre Einschätzung gebeten. Doch jeder Mensch hatte seine eigene Meinung, abhängig von anerzogenen Weltsichten, beeinflußt vom Mainstream, d.h. der Werteordnung unserer Kultur und Zeit. Genau das also, was die Endlosspirale am Laufen hielt. Ich steckte im Mainstream fest.

Beispiel: Wie verhalte ich mich, wenn mir jemand Unrecht zufügt?

Was wir alle wissen: Zu allererst mal darüber reden. Mit der Person, dies es betrifft, wenn es geht. Doch was, wenn die Person nicht bereit dazu ist? Mit Anderen reden. Aber warum sollten die es besser wissen oder können als ich? Was sagt uns der Mainstream (unsere Prägung/Erziehung) denn im großen und ganzen? „Wie du mir, so ich dir“, „ich gebe nicht nach“, ich bin im Recht“, „wer nachgibt, ist schwach“, „dieser Idiot“, ect. Welche Gefühle feuert dies an? Wut, Ohnmacht, Hass? Welches Verhalten folgt? Sich tagelang ärgern, vielleicht nicht mehr grüssen, nicht mehr helfen, die Person künftig ausgrenzen, sich aus dem Weg gehen oder es bei nächster Gelegenheit heimzahlen, usw. Wem hilft das alles? Niemandem.

Was machen Sie, wenn es Sie betrifft? Was rät Ihnen Ihr Umfeld? Denken Sie einmal darüber nach.

Wirklich zufriedener machte mich diese Denkweise in meinem Leben jedenfalls nicht. Mithilfe meines Bibelstudiums wurde mir klar, dass ich den gesellschaftlichen Mainstream verlassen musste.

Empfehlungen mit direktem Bezug zum persönlichen Alltagsproblem. Die Bibel zu lesen, ohne persönlichen Bezug, erschient mir wenig sinnvoll. Ich brauchte Antworten und Lösungsvorschläge, möglichst sofort.

Mein erster Schritt war also die Auseinandersetzung mit solchen Bibelstellen, die zu der Zeit eines meiner ganz konkreten Probleme behandelten. Zum Beispiel ein Ereignis, das mich gerade wütend machte und verletzte, wollte verarbeitet werden, diesmal aber ohne schlaflose Nacht oder dauerhafte Wut auf die Person im Bauch.

Alltagstaugliche Handlungsempfehlungen mit Weitblick. Ich las, dass die Bibel tatsächlich klare Handlungsempfehlungen gibt, wie man in bestimmten belastenden Situationen mit dem eigenen Denken, den eigenen Gefühlen, den Menschen, den Ereignissen, ganz anders als bisher umgehen kann. Auch sehr starke Gefühle wie Ungerechtigkeit, Wut, Trauer, Ängste und Ungeduld ließen sich auf diese Weise neu betrachten. Sie schildert im übrigen auch, wie man Probleme im Vorfeld verhindern kann.

Ich erlebte, dass allein die neue Sichtweise auf meine Probleme mich unmittelbar entlastete. Aber mehr noch: die Umsetzung der Empfehlungen funktionierte im Alltag, ich fühlte mich sehr schnell (nicht erst Wochen später) besser! Warum, was war denn nun anders als bisher?

Altes wird neu eingeordnet: bisherige schädliche Denkmuster, die Gefühle und Verhalten ja steuern, werden aufgebrochen, indem alternative Handlungsempfehlungen gut begründet und deren Folgen mit Weitblick aufgezeigt werden. Das schafft Einsicht, das schafft Sinn. Es ist ja bekanntlich nicht immer einfach, gegen die eigene antrainierte Denkwelt und Gefühle anzukämpfen, aber wenn man versteht, warum man x statt y denken und tun kann, dass man entscheiden kann was man denkt und fühlt, welchen Sinn dies hat, welche kurz- und langfristigen positiven Folgen dies haben wird, und man dann erlebt, wie gut sich allein dieses Wissen anfühlt, geht es einem sofort besser. Erlebt man später noch die Aussenwirkung, verstärkt sich der Effekt weiter. Aus konkreten Handlungsempfehlungen wird nach und nach ein „roter Faden“, eine Lebenserfahrung, eine Erkenntnis.

Die neuere Hirnforschung untermautert meine Erfahrungen. Wissen ist schön, doch erst dann wirklich nützlich und alltagsrelevant, wenn es er-lebt wird. D.h. wenn wir es anwenden, ausprobieren, nochmal probieren, bei Scheitern nicht aufgeben, Ermutigung erfahren und Sinn in unserer Handlung erkennen können. Und wenn wir durch erste Erfolge und gute Gefühle Neues verfestigen und tatsächlich sogar beflügelt werden.

Weitblick bedeutet Langfristigkeit. Mitten im Strudel der Ereignisse und Gefühle neigen wir dazu, zu vergessen, dass es ein Zeitachse gibt. Wir sehen nur das punktuelle Problem. Wir fühlen nur den Schmerz. Eine Aktion zieht meist eine Re-Aktion nach sich usw. Der Blick auf die Zeitachse läßt einen über mehr als das Problem nachdenken. Was war davor? Wie kam es dazu? Was wäre, wenn ich mein Denken verändere? Was wäre, wenn ich an meiner Haltung zu bestimmten Erwartugne und Gefühlen ändern könnte? Wer und wie will ich sein? Welche Auswirkung hat ein bestimmtes Denken/Verhalten zunächst auf mich selbst, wie fühlt es sich an? Welche Auswirkung hat es auf den Anderen und Dritte? Spannende Fragen tun sich auf, eine besondere und erfreuliche Selbstreflexion startet und ihre Antworten stehen in der Bibel. Es ist für mich wohl deshalb so überzeugend, weil ich im Herzen damit voll und ganz übereinstimmen kann. Meine Lebenserfahrung belegt mir, dass der Weg des Mainstreams eigentich gar nichts für gelöst hat, somit muss es wohl der falsche Weg gewesen sein, oder?

Ethik des Herzens. Was unterscheidet die Empfehlungen der Bibel vom Mainstream? Es sind die alten, Jahrtausende überdauernden zentralen Werte der Menschlichkeit.

Obwohl Sie und ich, hier in Europa, derzeit, in einer naturwissenschaftlich geprägten Kultur aufgewachsen sind und leben, so spüren wir doch, dass da etwas schief läuft. Die hier und heute offen und subtil gelebten Werte und Ziele beunruhigen uns tief drin. Warum sonst sind wir oft unzufrieden, teilweise sogar unglücklich inmitten des materiellen Wohlstandes, warum sonst steigen jährlich die Zahlen der Menschen, die in psycholgischer Behandlung sind? Ein Kleinkind ist für kurze Zeit in seinem Leben normalerweise absolut fröhlich und voller Zuversicht, neugierig und mit allem mitfühlend, fantasievoll und liebevoll, herzlich und grundehrlich. Was passiert da auf dem Weg zum Erwachsenen?

Wer oder was ist der Mainstream? In wessen Interesse liegt es, dass wir so ticken, wie wir ticken? Ist das gut für uns, den Einzelnen? Wer macht uns vom Subjekt zum Objekt (siehe dazu mehr bei Gerald Hüther, Hirnforscher)?

Der erste Schritt – was half mir? Ich gebe zu, am Anfang ist es nicht ganz einfach. Schießlich geht es ja darum, aus den jahrzehntelang an-sozialisierten, oft recht schrägen „Werten“ dieser westlichen Kultur (z.B. Egoismus, Eigennutz, falsch verstandener Stärke, Dominanz usw.) auszubrechen, die darauf gewachsenen eigenen Denkmuster, Glaubenssätze, Gefühle zu hinterfragen und sogar zu ändern. Es ist am Anfang ein wahrer innerer Kampf gegen sich selbst, gegen eine „alte Natur“. Das Alte muss vergehen, damit das Neue wachsen kann.

Was half mir dabei? Einen Bibellehrer zu haben, der mir die Dinge verständlich erklären konnte. Der Fragen schnell beantworten konnte, ohne dass ich stundenlang allein die Bibel studieren musste. Neugierig geworden? Vielleicht sollten wir über Ihren ganz individuellen Weg raus aus dem Mainstream reden!?

 

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*selbstverständlich entscheidet jeder Leser frei, was ihn am meisten bestärkt oder bestärken könnte, dies kann die Bibel, der Koran, die Tora, der Buddhismus, die Philosophie und ihre Ethik oder sonstiges sein. Ich spreche hier ausschließlich von meinen ganz persönlichen Erfahrungen.